German LettersArthur
Schopenhauer (1788 -
1860) |
Schopenhauer constructed his philosophy upon the notion
of the primacy of will. It is a philosophy of determinism, for will
dominates even intellect, and a philosophy of pessimism, for mans
awareness of the individuation of will causes him to suffer. Nevertheless,
occasional escape from suffering is possible through the disinterested
contemplation of art and through an ethic of sympathy, whereby man forgets
his individuality. The first volume of Schopenhauers most famous work, Die
Welt als Willeund Verstellung, was published by Brockhaus of Leipzig
in 1819. The book sold so poorly that, when Schopenhauer wrote to
Friedrich Brockhaus in 1843 and requested publication of the second
volume, the latter at first agreed only on the condition that Schopenhauer
bear the costs of publication. The following letter contains Schopenhauers
response to this proposal. Schopenhauer prevailed, and in 1844 Brockhaus
printed 750 copies of Volume II and 500 copies of Volume I. The work had
so little immediate popular appeal that two years later Brockhaus reduced
the price in order to hasten sales. When finally scholars began to praise
the work, its popularity increased. In the final ten years of his life,
Schopenhauer received the recognition that he had hitherto sought in vain.
His philosophy influenced, among others, Richard Wagner and Friedrich
Nietzsche. |
ablehnen
(reg.) - rejectbezahlen (reg.) - pay; pay for dennoch - nevertheless dergleichen - those kinds ofthings enthalten (ä; ie, a) - contain erleben (reg.) experience | geehrt
- esteemed, honoredgerade, als ob - just as if e Messe (-n) - fair e Nachricht (-en) - news niederschlagend - depressing s Publikum - public unerwartet - unexpected | r
Unsinn - nonsenser Verleger (-) - publisher r Vorschlag (¨-e) - suggestion s Werk (-e) - work wertvoll - valuable wiederholen (reg.) - repeat e Zeile (-n) - line (of
print) |
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Arthur
SchopenhauerAn Friedrich Brockhaus Frankfurt a.
M., 17, Mai 1843 Euer Wohlgeboren haben in Ihrem geehrten Schreiben mir eine ablehnende Antwort
erteilt, welche für mich so unerwartet wie niederschlagend ist.
Dennoch muß ich die Vorschläge, welche Sie mir wohlmeinend machen,
entschieden von der Hand weisen. Allerdings bin ich gewilligt, dem
Publikum ein Geschenk zu machen, und ein sehr wertvolles: aber für
mein Geschenk noch obendrein bezahlen, daß will und werde ich nicht.
Es ist gerade, als ob jemand, dem ich eine für ihn wichtige
Nachricht zu schreiben hätte, verlangen wollte, daß ich auch noch
den Brief frankierte. Ist es mit der offenkundigen Gesunkenheit des
Zeitalters wirklich so weit gekommen, daß, während Hegelscher
Unsinn seine wiederholten Gesamtauflagen erlebt und das hohlste
Geträtsche von hundert Alltagsköpfen, die noch dazu nichts gelernt
haben, vom Publikum bezahlt wird, indem ja jede Messe dergleichen in
Fülle bringt, an mein Werk, welches die Arbeit meines ganzen
Lebens enthält, ein Verleger nicht einmal die Druckkosten setzen
kann; nun so mag es warten und liegen bleiben, um einst als Posthumum
zu erscheinen, wenn die Generation gekommen sein wird, die jede
Zeile von mir freudig bewillkommen wird: sie wird nicht ausbleiben. |
Euer Wohlgeboren: Dear Sie,
you... / Schreiben: letter / erteilen:
impart wohlmeinend: with good
intentions / entschieden:
firmly / von der Handweisen: reject / allerdings: to
besure / gewilligt: willing / obendrein: inaddition frankieren: pay postage for / offenkundig:
well-known / Gesunkenheit: degeneration / Zeitalter:
age / Hegelscher: of Hegel Gesamtauflagen: complete
editions / hohl: hollow / Geträtsche:
chatter / Alltagsköpfe: everyday intellects / indem:
as / in Fülle: in abundance Druckkosten: costs of printing / setzen:
(here) pay / mag: let / Posthumum:
posthumous publication bewillkommen: welcome / ausbleiben:
fail to appear |
|
anschaulich
- graphicausgemacht - settled behandeln (reg.) - deal with, treat r Besitzer (-) - owner bezweifeln (reg.) - doubt bieten (o, o) - offer entfernt - remote, distant entscheiden (ie, ie) - decide s Exemplar (-e) - copy (of book) r Gedanke (-n) - thought | r
Gegenstand (¨-e) - object genießbar
- enjoyablegrenzen an - (reg.) - border gründlich - thorough(ly) inzwischen - in the meantime irgend etwas - something s Kapitel (-) - chapter e Konzentration - concentration e Kosten (pl.) - cost(s) lesbar - readable, legible s Mittel (-) - means; medicine | s
Ohr (-en) - earphilosophisch - philosophical populär - popular teilen (reg.) - divide; separate unabhängig - independent s Verständnis - understanding voraussetzen (reg.) - presuppose e Weise (-n) - manner, way r Wert (-e) - value würdig - worthy |
|
Inzwischen
sehe ich jenes alles noch nicht als ausgemacht und entschieden an:
vielmehr will ich fürs erste kein meiner würdiges Mittel
unversucht lassen, um mein mit so viel Liebe und Lust vollendetes
Werk auch der Welt zugänglich zu machen. Zuvörderst also biete ich
Ihnen jetzt den Verlag des zweiten Bandes allein, ohne zweite
Auflage des ersten und ohne Honorar an; so sehr das auch gegen
meinen Wunsch geht. Ich denke, Sie können nicht wohl bezweifeln,
daß die Besitzer des ersten Bandes doch so viele Exemplare des
zweiten nehmen werden, daß sie die Druckkosten decken. Denn irdend
etwas vom Werte meines Buches wird Ihnen doch wohl zu Ohren gekommen
sein. Überdies aber wird dieser Band, der die Konzentration und
Quintessenz aller meiner während der letzten 24 Jahre
niedergeschriebenen Gedanken enthält und in 50 Kapitel geteilt ist,
welche, unabhängig von einander, jedes einen eigenen
philosophischen Gegenstand behandeln, und zwar in meiner bekannten,
vom Schuljargon weit entfernten, höchst klaren, lebhaften
und anschaulichen selbst an das Poluläre grenzenden Weise, auch
für sich allein ganz lesbar und genießbar sein: dadurch wird er
zugleich auf den ersten Band, den freilich das gründliche
Verständnis voraussetzt, begierig machen und hoffentlich die zweite
Auflage desselben herbeiführen | jenes
alles: all thatfürs erste: in the first place / meiner:(gen.
of personal pron.) of me zugänglich: available / zuvörderst:
first of all / Verlag: publication / Auflage: edition
/ Honorar: royalty überdies: moreover / Band..., auch: The main clause
is interrupted at Band and picks up again, seven lines later,
at auch. / niedergeschrieben: written down, recorded
in writing in meiner ... Weise: Weise is the object of in;
everything in between is an extended adjective. begierig: eager herbeiführen: bring about |
|
annehmen
(nimmt; a, angenommen - accepts Beispiel (-e) - example fehlen (reg.) - be missing füllen (reg.) - fill e Geschlechtsliebe - sexual love r Grund (¨-e) -
ground; reason | es handelt sich um
- it's a matter ofr Inhalt - content(s) s Manuskript (-e) - manuscript e Metaphysik - metaphysics s Mal (-e) - time; mole | schwierig
- difficultwetten (reg.) - bet zum Bestial (z.B.) - for example (e.g.) zum ersten Mal - for the first time zweifeln an (reg.) - doubt |
|
Wenn Sie nur hier wären, so wollte ich Ihnen (versteht
sich, in meiner Wohnung, da ich wegen der gänzlichen Neuheit des
Inhalts das Manuskript nicht aus den Händen gebe) z.B. etwa das
beiläufig 36 Druckseiten füllende Kapitel, welches "Metaphysik
der Geschlechtsliebe" überschrieben ist und diese Leidenschaft
zum ersten Mal auf ihre letzten Gründe zurückführt, wobei das
genaueste Détail
zur Sprache kommt, zu lesen geben und würde darauf wetten, daß
Sie sich nicht ferner besinnen würden. Wenn Sie indessen jetzt auch meinen zweiten
Vorschlag nicht annehmen, so muß ich suchen, einen Verleger zu
finden, ja ich würde gar nicht daran zweifeln, handelte es sich
nicht um einen zweiten Band, dessen erster in Ihrem Verlag ist,
daher jeder gleich fragen wird, warum Sie ihn nicht genommen haben.
Dies macht die Sache schwierig. Sonst könnte mir ein Verleger ohne
Honorar nicht fehlen. (...) |
versteht sich: of course
/ gänzlich: total / beiläufig:
incidentally / überschrieben: entitled s Détail: (Fr.) detail / zur Sprache kommen: be
mentioned / sich besinnen: deliberate indessen: nevertheless Verlag: publishing house |
|
| A. Answer in German. 1. Was für eine Antwort hat Schopenhauer vom Verleger bekommen? 2. Was hat der Verleger vorgeschlagen? 3. Womit vergleicht Schopenhauer diesen Vorschlag? 4. Was hält Schopenhauer von dem lesenden Publikum? 5. Welche Bücher wurden damals gekauft? 6. Was wird Schopenhauer mit seinem Buch machen, wenn kein Verleger die
Druckkosten tragen wird? 7. Was bietet Schopenhauer dem Verleger an? 8. Wer wird den zweiten Band bestimmt lesen wollen? 9. Was enthält der zweite Band? 10. Wie beschreibt Schopenhauer seine philosophische Sprache? 11. Wie soll der zweite Band, falls er gedruckt wird, die zweite
Auflage des ersten Bandes herbeiführen? 12. Warum gibt Schopenhauer das Manuskript nicht aus den Händen? 13. Wovon handelt das Kapitel, das der Autor mit Titel erwähnt? 14. Worauf würde Schopenhauer viel wetten? 15. Was würde er tun, wenn sein Vorschlag nicht angenommen würde? 16. Wieso könnte das schwierig sein? |
B.Passive
voice: Fill in the blanks as indicated.
1. Das erste Angebot Schopenhauers _________vom
Verleger __________ ________ (had been rejected). 2. Schopenhauers Geschenk an das Publikum________
nicht von ihm selbst ___________________ (will
... be paid). 3. So etwas kann nicht mit Recht ___________________
(be demanded). 4. Schon mehr als einmal ________ eineHegelsche
Gesamtauflage _________ ________ (has been printed). 5. Die hohlste Philosophie ________ vom Publikum __________ (is
being. read). 6. Es ________aber noch nicht alles __________________
(has ... been settled). 7. Die zweite Auflage des ersten Bandes ______wohl
durch das Interesse am zweiten________________
________ (will be brought about). 8. Das Manuskript kann nicht aus den Händen __________ ________ (be
given). 9. In Schopenhauers Buch ________ dieGeschlechtsliebe
auf ihre tief liegenden Gründe ____________ (is led back). 10. ________ der zweite Vorschlag nicht ____________ (If ... is ...
accepted), so sucht Schopenhauer einen neuen Verleger. |
C.
Express in German.
1. Schopenhauer, who had written a book and had sent this book to a
publisher by the name of Brockhaus, received from the latter the answer
that he would print the book if Schopenhauer paid the printing expenses. 2. Although his work is a valuable gift to the public, he is now being
asked for money to cover the costs of printing. 3. The time will come--perhaps only after his death--when the world
will joyfully accept Schopenhauer's gift. 4. If Brockhaus wants to print the second volume without printing
additional copies of the first, Schopenhauer has nothing against it;
moreover, he demands no royalty at all. 5. Who can doubt that enough copies will be sold? 6. Whoever bought the first volume will surely also buy the second. 7. The readers of the second volume, which is written in Schopenhauer's
lively and graphic manner and can be enjoyed without the first volume,
will want to buy and read the first volume in order to get a thorough
understanding of the philosophical content of the second. 8. If Brockhaus were at Schopenhauer's house,where
the former could read at least parts of the actual volume (for example,
the chapter on sexual love), Schopenhauer would gladly bet that he would
accept it. 9. Because of the newness of the content, Schopenhauer does not
want to send the manuscript to the publisher. 10. If Brockhaus does not accept his suggestion, Schopenhauer will look
for another publisher. 11. The task will perhaps be
difficult because every publisher will want to know why Brockhaus, who had
printed the first volume, did not accept the second. |
Suggestion for oral
practice: In a meeting with several
assistants, Friedrich Brockhaus presents Schopenhauer's proposal and asks
for comments. The opinions are strong and varied, and the discussion
becomes heated. |